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ZEIT: Lieber jetzt als morgen oder gestern.

ZEIT: Lieber jetzt als morgen oder gestern.

Im vergangenen Monat war es endlich soweit: Am 21.10 war “Back to the Future-Day” – der Tag, an dem Marty McFly mit seinem DeLorean in der Zukunft landet. In vielen Dingen lagen die Voraussagen der Filmemacher richtig (Faxgeräte gibt es immer noch), in anderen wiederum waren sie zu visionär – das legendäre fliegende Hoverboard ist leider noch immer Zukunftsmusik. Der “Back to the Future-Day” ist auch ein wunderbarer Anlass, sich ein bisschen mit dem theoretischen Phänomen der Zeitreise zu beschäftigen: Wird so etwas denn jemals möglich sein?

Eigentlich ist es ja schon einmal passiert, und zwar schon 1971: Da flogen die beiden Herren Joseph Hafele und Richard Keating (beides amerikanische Physiker) einmal ostwärts um die Welt, vier Atomuhren im Koffer. Beim Uhrenabgleich nach der Rückkehr mit einem ortsfesten Zeitmesser im U.S. Naval Observatory in Washington wurde klar, dass alle Atomuhren nachgingen. Zwar nur 60 Nanosekunden, aber immerhin – genau diese 60 Nanosekunden waren die Physiker in die Zukunft gereist. Denkt man sich nun einen Raumfahrer, der mit annähender Lichtgeschwindigkeit zu einem fernen Stern reist, würde die “Reise in die Zukunft” natürlich noch viel spektakulärer ausfallen. Hätte besagter Astronaut zum Beispiel einen Zwillingsbruder auf der Erde, würde dieser im direkten Vergleich viel schneller altern.

Dummerweise könnte unser Raumfahrer nie mehr an den Punkt zurückkehren, an dem er und sein Zwillingsbruder gleich alt waren. Diese Art der Zeitreise, die Einstein 1905 mit seiner speziellen Relativitätstheorie ermöglicht hat, funktioniert nur in eine Richtung – nach vorne. Man kann also zu einem Punkt in der sogenannten “Raumzeit” (= Raum und Zeit als vereinheitlichte Struktur) leider nicht zurückkehren wie in seinen Lieblingssessel. Eigentlich logisch, denn würde die Zeitreise in die Vergangenheit irgendwann in naher oder ferner Zukunft einmal erfunden werden, dann wäre uns ja schon längst jemand begegnet, der in die Vergangenheit gereist ist.

Gäbe es rein theoretisch eine andere Möglichkeit dafür (wenn die Schwerkraft ins Spiel kommt, gilt Einsteins allgemeine Relativitätstheorie und die macht Krümmungen der Raumzeit sehr wohl möglich), könnte man jedoch anhand eines “Pfades”, der durch den vergangenen Punkt wiederum zum Ausgangspunkt führen würde, in die Vergangenheit reisen.

In der Physik nennt man das eine geschlossene zeitartige Kurve (ein genialer Begriff!). Dem Unheil wären damit Tür und Tor geöffnet, eigentlich ziemlich sicher wäre das auch das Ende der uns bekannten Realität. Denn denkt man an das berühmte “Großvater-Paradoxon” (ein Mensch reist in die Vergangenheit, tötet seinen Großvater und macht seine eigene Existenz damit unmöglich), würden geringste Eingriffe in der Vergangenheit zu unabsehbaren Konsequenzen in der Gegenwart führen.

Wenn man viel darüber nachdenkt, könnte einem schon schwindlig werden. Da halte man sich doch besser an den Weisheitslehrer Eckhart Tolle: Laut seiner Lehre gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft (womit der gute Mann ja recht hat, im übertragenen wie im eigentlichen Sinn) sondern nur das JETZT – etwas, das aber niemand so recht erlebt. Denn ständig plant man ja im Geist illusionäre Zukünfte plant oder hängt illusionären vergangenen Ereignissen nach, die in der ständigen Wiederholung sicherlich nicht mehr besonders realitätsnah sind. Es ist eben nur das JETZT, das wirklich zählt, der Zeit-Punkt, in dem man wirklich und wahrhaftig existiert.

 

Doc Nachtstrom

Doc Nachtstrom Bewegt sich täglich zwischen Welten: ob Science-Fiction-Fandom, seine Vorliebe für tote Rockstars und düstere Filme, seine Bücher- und Comic-Sammlung oder klassische Musik. Eröffnet ständig neue Blogs und Seiten auf Facebook und sorgt damit im Bekanntenkreis zunehmend für Heiterkeit – was seiner Freude daran keinen Abbruch tut. Beschreibt sich selbst gleichzeitig als Gourmet und Gourmand, beschäftigt sich mit Nerdtum gleichermaßen wie mit Hochkultur und mag Trash genau so sehr wie Hochqualitatives.


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