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Ich schreibe ein Buch – von der Vision zum eigenen Werk

Ich schreibe ein Buch – von der Vision zum eigenen Werk

Kennt ihr diese Menschen, die ihre Sache einfach durchziehen und es funktioniert? Die ihre Visionen justament umsetzen, ohne Rückschläge? Die immer genau wissen, was zu tun ist?

Ich auch nicht.

 

In Patricia Highsmiths Kurzgeschichte „Der Mann, der seine Bücher im Kopf schrieb“ geht es um Taylor Cheever, einen Schriftsteller, der unbedingt Romane veröffentlichen will. Erste Entwürfe werden von befreundeten Schriftstellern und Journalisten aber völlig abgelehnt und so nimmt er sich vor, einen neuen Roman zu schreiben, sich dieses Mal aber perfekt darauf vorzubereiten. Er beginnt, sich jedes Detail auszudenken, denn er will den Roman im Kopf schon fertig haben, noch bevor er ein Wort zu Papier bringt. Als er damit nach Monaten der langen Arbeit (dabei liegt er übrigens stundenlang auf dem SOFA und blickt konzentriert an die Decke) endlich fertig ist, sieht er plötzlich keinen Grund mehr, seinen Roman überhaupt aufzuschreiben. Er war doch eigentlich schon fertig, es würde ein verdammt anstrengendes Stück Arbeit werden, die Geschichte aufzuschreiben. Also beginnt er ein neues Buch und später ein weiteres und noch ein weiteres. Sein Umfeld und seine Familie beginnen immer mehr, ihn für verrückt zu halten – spätestens dann, als er anfängt, im Urlaub in seinen alten Romanen zu „blättern“ und dabei herzhaft lacht, wenn er an eine lustige Stelle kommt. Als Cheever auf dem Totenbett liegt, zelebriert und halluziniert er seine eigene Beisetzung im Dichterwinkel der Westminster Abbey und tut das so überzeugend, dass auch seine Frau und sein mittlerweile erwachsener Sohn beginnen, das Spiel mitzuspielen.

Highsmiths Geschichte ist unterhaltsam und lustig, aber sie macht auch nachdenklich. Ein Schriftsteller ohne Schrift? Jemand, der sein Leben lang etwas zu erreichen versucht, sich dann aber in der Vision davon so sehr verliert, dass er sie nie umsetzt? Auch, wenn die Story skurril anmutet – so abwegig ist sie nicht.

Wir alle kennen diese Idee: „Darüber müsste man mal etwas schreiben“, seien es die Erfahrungen auf einer Weltreise, die besten Kochrezepte oder eine geniale Idee für eine Romanhandlung. Ein Raunen geht meist durch die Runde, wenn jemand davon erzählt, dass er selbst ein Buch veröffentlicht hätte. Ein Buch! Selbst geschrieben! Was muss das für eine tolle Idee sein, was für eine gute Geschichte! Das könnte ich auch machen, aber da ist ja noch die Arbeit und da sind die Kinder und ein Alltag, der mich täglich mit neuen Problemen und Konflikten konfrontiert…

Eines kann ich euch verraten. Es ist nicht die Idee selbst, die ein Buch wirklich entstehen lässt. Nicht nur Taylor Cheever schrieb seine Bücher im Kopf, es gibt Tausende geniale Ideen und Menschen, die sie haben. Aber nur selten ist dieser Mensch so diszipliniert und zielstrebig, dass er seine Sache einfach durchzieht und wie ein Wilder in die Tasten tippt, ohne Rückschläge einstecken zu müssen. Ein Sprichwort unter Autoren lautet: „Schreiben ist zu 10% Inspiration und zu 90% Transpiration“.

Deshalb sammle ich an dieser Stelle sechs Eigenschaften von erfolgreichen Schreibenden und meine damit jene, die ihr Werk fertigbringen, ganz egal, ob es gut verkauft wird oder eher ein Laden- oder Onlineshop-Hüter bleibt.

 

Sie haben nicht nur eine Idee, sondern auch eine Idee von der Umsetzung

Das beginnt beim Schreiben selbst: Wann schreibe ich? Wo schreibe ich? Es gibt Menschen, die zum Schreiben zwei Stunden früher aufstehen (für mich eine absolut katastrophale Vorstellung, ich würde beim Weckerläuten wahrscheinlich zu weinen beginnen), andere schreiben nachmittags im Trubel eines Kaffehauses. Die Möglichkeiten von Ort und Zeit sind unbegrenzt, aber es ist von Vorteil, seine individuelle perfekte Schreibsituation zu finden. Generell ist es jedoch zu empfehlen, beim Konkretisieren einer Romanidee zumindest die Grundstruktur und den Hauptkonflikt im Kopf zu haben, bevor man 20 Seiten schreibt, auf denen nichts passiert, das für die Handlung wirklich wichtig ist.
Und was passiert, wenn ich fertig bin? Der Plan, sein fertiges Manuskript (oder Auszüge daraus) an einen Verlag zu schicken, ist heutzutage praktisch sinnlos. Große Verlage bekommen täglich unzählige Anfragen und wenn die Verantwortlichen nett sind, bekommt man eine höfliche formelhafte Absage. Besser ist es da, sich schon im Vorhinein zu überlegen, ob man sein Buch selbst veröffentlichen will, was mit ein wenig Computerkenntnissen und viel Geduld und Recherche durchaus realisierbar ist.

All diese (und noch mehr) Überlegungen gehören genauso zum Schreiben wie der Inhalt selbst und sie sind ein Teil des Erfolgs.

 

Sie wollen unbedingt, dass jemand ihre Werke liest

Ich persönlich kenne niemanden, der irgendetwas Künstlerisches umgesetzt hat und nicht dafür brennt, dass es auch jemand liest, ansieht, anhört oder erlebt. Erfolgreiche Autoren und Autorinnen möchten ihre Geschichte nicht nur erzählen, sie wollen auch unbedingt, dass sie jemand liest und nur das treibt sie an, nicht der Gedanke an Ruhm oder Geld. Bei einem Prozess, der viele Monate oder sogar Jahre andauern wird, wird es zahlreiche Momente geben, in denen sie nicht weiter wissen oder in denen sie bemerken, dass sie nun schon wieder eine Woche nichts geschrieben haben, weil sie keine Zeit oder Lust hatten. Aber der Gedanke daran, dass jemand ihr Buch lesen wird, treibt sie an und sie machen weiter.

 

Sie stehen wieder auf!

Goethe hat den Druck seines ersten Werks („Die Mitschuldigen“, das Lustspiel wurde erst 10 Jahre nach der Erstfassung aufgeführt und veröffentlicht) selbst bezahlt, da er keinen Verleger finden konnte. Selbstkostenverlage und andere schwarze Schafe der Branche (dazu kommen wir noch) geben diese Anekdote gerne als Anreiz an, Bücher bei ihnen zu verlegen und ordentlich dafür zu bezahlen.
Ich sehe das aber anders: Schon allein die Zeit, die zwischen der Erstfassung und der Veröffentlichung vergangen ist, zeigt, dass viel passieren musste, bevor das Werk Erfolg hatte. Der springende Punkt bei dieser Anekdote ist für mich: Er sah keinen Grund, aufzugeben. Es war für ihn klar, dass er weiter an sich und an seinen Werken arbeiten musste, dass er sich irgendwie etablieren, die richtigen Leute treffen und sein Schreiben weiterentwickeln musste. In Kombination mit der richtigen Motivation (siehe Punkt 2) schafft man das – ja, man kann gar nicht anders. Erfolgreiche Schreibende MÜSSEN schreiben, sich weiterentwickeln und arbeiten, weil sie so sehr dafür brennen. Wem dieses Immer-wieder-Aufstehen nicht gelingt, für den ist das Schreiben wahrscheinlich nicht das Richtige.

 

Sie haben das richtige Werkzeug

Die wenigstens Autoren und Autorinnen verfassen ihr Manuskript mit Word und lassen einmal die zweifelhafte Office-Rechtschreibhilfe drüberlaufen. Schon für die Planung gibt es mittlerweile zahlreiche Software-Produkte, kostenpflichtig oder nicht, die einen ideal dabei unterstützen können, eine Struktur zu konzipieren.

Für das Schreiben selbst ist zum Beispiel das Textverarbeitungsprogramm namens „Papyrus“ höchst empfehlenswert, das nicht nur die Ausgabe des Texts im idealen Format gewährleistet, sondern auch eine Stil-, Grammatik- und Rechtschreibprüfung beinhaltet, die absolut ausgeklügelt ist und schon im Vorhinein eine gute Basis schafft, bevor sich Experten an die Überarbeitung machen können.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, für sein Buch ideal zu recherchieren, es zu konzipieren, es sauber verfassen und in die richtige Form bringen zu können. Die Frage, wie man zu diesen Hilfsmitteln kommt, bringt uns gleich zum nächsten Punkt:

 

Sie suchen sich Mitstreiter

Das Internet ist nicht nur eine unheimlich große Wissensdatenbank, sondern auch eine Möglichkeit, praktisch jederzeit mit Leuten in Kontakt zu treten, die sich auskennen. Damit ermöglicht es uns, Dinge selbst zu erfahren und zu erlernen, für die man früher viel Recherchearbeit und gute Kontakte brauchte. Im Austausch mit anderen Autoren und Autorinnen erspart man sich so viel mühsame Arbeit und Recherche, dass es unbedingt zu empfehlen ist, sich mit Leuten zusammenzutun, die dasselbe verfolgen.

Auf Facebook gibt es zum Beispiel Gruppen, die sich nur um das Selbstverlegen drehen (z.B. „SELF-PUBLISHING“). Hier werden viele wichtige Informationen und Tipps gesammelt und man liest in seinem Newsfeed täglich von Problemstellungen und ihren Lösungen, die man sich, wäre man nicht darüber gestolpert, mühsam und schmerzhaft erarbeiten hätte müssen. Auf Facebook findet man auch Leute, die sich mit gewissen Themengebieten auskennen (ein besonderer Tipp ist die Gruppe „Recherche-Pool für Autoren) und es macht die Recherche für ein Buch ungemein einfach, wenn man die richtigen Leute fragen kann.
Aber auch für persönliche Probleme und Fragestellungen sollte man sich Mitstreiter suchen. Online und offline findet man zahlreiche Gruppen für Schreibende, die sich gegenseitig austauschen und inspirieren. Ein netter Nebeneffekt ist dabei, dass man wohl eher auf seinem Weg bleibt, wenn man immer wieder an sein Projekt erinnert wird und Tag für Tag damit konfrontiert wird.

Nicht zuletzt sollte man sich aber auch in seiner Alltagsumgebung Mitstreiter suchen. Das beginnt in der Familie, bei Partnern und Kindern: Viele vereinbaren eine gewisse Zeit, in der sie nur in Notfällen gestört werden sollen, um so zu gewährleisten, dass sie nicht in ihrer Konzentration unterbrochen werden.

Die Unterstützung durch Mitstreiter vereinfacht die Arbeit am eigenen Buch jedenfalls enorm und ist genauso ein Teil des Erfolgs wie das Schreiben selbst.

 

Sie wenden sich an die richtigen Leute

„Ende.“ Zitternd nimmt man die Hände von der Tastatur und denkt sich „Wow, das war’s jetzt. Es ist fertig. Ich habe mein Buch geschrieben und jetzt kann es veröffentlicht werden.“
An dieser Stelle beginnt jedoch erst ein Großteil der Arbeit, denn nun sollte man die Zähne zusammenbeißen und sein Werk auf Herz und Nieren prüfen lassen. Wer sein Buch schon mal unabhängigen Testlesern (nicht nur der stolzen Mama und dem Ehemann) in die Hände gibt, der hat schon viel richtig gemacht. Konstruktive Kritik hilft weiter, viele haben Ideen, wie man etwas anders machen könnte, andere können einfach nur ihr Gefühl beschreiben, das sie beim Lesen des Buchs haben, andere finden es einfach langweilig. Jedes Feedback ist wertvoll und bringt etwas, denn am Ende sind es die Leser, die ein Buch mögen oder eben nicht.

Der nächste Schritt sind Experten. Freie Lektoren machen aus dem Text ein sauberes Manuskript und korrigieren nicht nur Rechtschreibung und Grammatik, sondern sehen sich Stil und Aufbau ganz genau an. Egal, ob das Buch anschließend an Verlage geschickt oder selbst verlegt wird: Ein formloses Manuskript mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern und unzähligen Stilfehlern macht nicht nur keinen guten Eindruck, sondern sorgt meist dafür, dass es erst gar nicht richtig gelesen wird. Wer Probleme bei der Formatierung seines Manuskripts hat, kann sich auch hier an Experten wenden. Auch, wenn das Buch in einem guten Verlag nochmals komplett lektoriert und gemeinsam überarbeitet wird, sollte bereits das Manuskript sauber und möglichst fehlerfrei sein.

 

Ob man sich anschließend an die Suche nach Verlagen oder an das eigene Veröffentlichen macht, bleibt jedem selbst überlassen. Dringend abzuraten ist jedoch von sogenannten „Selbstkostenverlagen“, die für die Veröffentlichung eines Werks einen Druckkostenzuschuss verlangen. Diese „Verlage“ finanzieren sich rein durch Menschen, die voller Hoffnung sind, mit ihrem Werk Erfolg zu haben und nicht durch den Erfolg des Buchs selbst. Deshalb muss aber noch niemand, der sein Buch bei keinem Verlag anbringt, selbst horrende Summen für den Druck aufbringen. Eine Veröffentlichung als E-Book ist ein erster Schritt, der recht kostengünstig ist und trotzdem erlaubt, das Buch weit zu verbreiten. Für Leser und Leserinnen der alten Schule gibt es meistens die Möglichkeit, das Buch „on demand“ drucken zu lassen: Sie bestellen das Buch beim Anbieter, dieser behält sich für den Druck einen Teil des Preises ein und der Rest geht an die Autorin oder den Autor selbst.

Will man sich selbst auf die Suche nach einem Verlag machen, empfiehlt sich eine Literaturagentur, die das übernimmt. Jährlich werden alleine im deutschen Sprachraum 300.000 verschiedene (!) Manuskripte an Verlage geschickt, was deutlich macht, wie wenig Chancen man hat, wenn man sich selbst daran versucht, sein Buch unterzubringen. Literaturagenten haben jedoch die richtigen Kontakte und können einschätzen, ob das Buch zum Verlagsprogramm passt oder nicht.

 

Alles in allem ist zu sagen, dass es wohl sehr viel braucht, um seine Vision in die Tat umzusetzen. Das sagt eine, die selbst noch daran zweifelt, ob sie es tatsächlich „hat“. Ich brenne nicht dafür, jemandem meine Geschichte zu erzählen, ich habe kein genügend großes Interesse daran, dass ich ein abgeschlossenes Werk produziere, das der Unterhaltung dient. Und trotzdem ist mir während des Schreibens an genau diesem Artikel eine Idee gekommen, die mich mit Neugier, Aufregung und einem unheimlich warmen Gefühl im Bauch erfüllt. Ob diese Idee tatsächlich meine Bestimmung ist? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist: Du musst brennen. Wenn du merkst, dass die Möglichkeit, einfach aufzuhören, nicht existiert und du einfach nicht anders kannst, als weiterzumachen, dann hast du deine Bestimmung gefunden. Wer diese Bestimmung im Schreiben findet, der sollte seine Bücher nicht im Kopf schreiben, sondern so schnell wie möglich (ja, am besten jetzt!) beginnen, sein Projekt in die Tat umzusetzen und nicht nur bei einer Vision zu bleiben.

 

Juliane Brantner

Juliane Leidenschaft hat für sie auch mit Leiden zu tun: Am tagesaktuellen Ausmaß ihrer Augenringe erkennt man, wie lange sie nachts ihren Vorlieben gefrönt hat. Sich Wissen anzueignen und selbst Dinge beizubringen, ist eines ihrer liebsten Hobbys. Dabei ist ihr egal, ob es um Kleinigkeiten geht oder um Wissen, das sie für ihren Beruf braucht. Ihre guilty pleasures erfüllen sie längst nicht mehr mit Schuldgefühlen. Kann sie dann noch regelmäßig auf der Bühne oder in einem Proberaum singen, ist sie einfach glücklich.


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