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Visualisierungen – die Simonton-Methode

Visualisierungen – die Simonton-Methode

Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen ist das allabendliche einem Hörspiel lauschen. In meinem Fall war das bevorzugt Benjamin Blümchen. Später, mit ungefähr neun Jahren, als ich altersbedingt cooler werden musste, sattelte ich offiziell um auf Bibi Blocksberg, blieb aber heimlich Benjamin, Otto, Karla Kolumna, Zoodirektor Tierlieb und Wärter Karl treu. Ich konnte jede Folge auswendig mitsprechen, das Anfangslied wurde der Ohrwurm schlafloser Nächte meiner Eltern und näheren Verwandtschaft und ich bastelte an einer Karriere als Zoologin indem ich eingehend meinen Hamster beobachtete und in Wirklichkeit nur darauf hoffte, dass er irgendwann zu sprechen anfangen würde.

Was hat nun hören mit Vision zu tun, mag man sich fragen.

Es ist das weitbekannte Kino im Kopf, das mich so fasziniert hat. Ich hatte wunderschöne Bilder und Landschaften im Kopf, manchmal auch nur Farben, beruhigende Farben, die mich umschmeichelnd in den Schlaf begleiteten. Beim Vorlesen war es ähnlich, aber beim Kassetten hören war ich noch mehr bei mir, noch tiefer in meiner Innenwelt und das mochte ich sehr.

Visualisierungen führen einen hinein zu sich selbst.

Irgendwann habe ich für lange Zeit die Hörspiele gegen das laute, gesellige und feiernde Leben mit Freunden, das Lesen und Lernen auf der Uni und in Jobs eingetauscht. Das war mir wichtig.

Dann hab ich bemerkt, oder, besser gesagt, mein Körper hat mich merken lassen, dass ich die ruhigen Zeiten mit mir selbst vermisse, dass ich dieses Gegenstück brauche und ich habe mich umgehört.

Es gibt viele unterhaltsame Hörspiele für Erwachsene, aber das, was ich für mich gefunden habe, das was mir dabei hilft, zu mir zu finden, wenn ich gerade wieder herumspringe in der hektischen Welt, sind Visualisierungen.

Geführte Meditationen und Visualisierungen helfen beim Einstieg in die Stille. Wenn der Kopf es gewohnt ist, sich um hunderte Dinge gleichzeitig zu drehen, dann ist es wohltuend, eine Stimme zu haben, die den Geist bei der Hand nimmt und ihm beim Hinsetzen unterstützt.

Die Simonton-Methode

Als ich anfing mich mit dem Thema Meditation, Trance und Hypnose auseinander zu setzen, kam ich über Milton Erickson und seine Hypnose-Therapie auch zu Carl Simonton, einem amerikanischen Radiologen und Onkologen, der mit seiner Methode zu einem Pionier in der Psychoonkologie wurde.

Er geht davon aus, dass man unter anderem mit Visualisierungen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren und so maßgeblich zur eigenen Gesundung beitragen kann.

Auch wenn seine Erkenntnisse hauptsächlich aus dem Bereich der Onkologie und der Genesung von Menschen mit Krebserkrankungen stammen, so kann man einige Grundsätze für die eigene Gesunderhaltung beziehungsweise die Behandlungen von anderen Erkrankungen aus diesen Erfahrungen ableiten.

Simonton ließ seine Patienten in entspannende Vorstellungen eintauchen und bat sie dann, sich ihre Krankheit bildhaft auszumalen, sie aber auch immer mit einer Schwachstelle zu versehen, sie also angreifbar zu gestalten. Danach forderte er sie auf, sich die medikamentöse Behandlung, den Kampf der Medizin gegen die kranken Zellen zu visualisieren und wie die Therapieansätze überlegen gewinnen. Tumore bei denen zuvor die üblichen schulmedizinischen Behandlungen nicht angeschlagen hatten schrumpften plötzlich bei genau den gleichen Therapien. Menschen, denen nur noch wenige Monate Lebenszeit prognostiziert wurden, genasen.

Die Macht der Fantasie

Eine Steigerung der Lebensqualität und eine signifikante Verzögerung des Krankheitsverlaufs wurden auch bei MS-Patienten, die mit Visualisierungen arbeiteten verzeichnet.

Durch Untersuchungen mit verschiedenen bildgebenden Verfahren konnte ebenfalls festgestellt werden, dass während der Imagination von Muskelkontraktionen ähnliche Aktivitäten im Zentralnervensystem stattfinden, wie bei einer tatsächlich ausgeführten Bewegung. Ein (begrenztes) Training des Bewegungsapparates von bettlägerigen Menschen ist also möglich.

Auch in den eigenen Sporteinheiten kann man seine Vorstellungskraft nutzen und den Trainingserfolg erhöhen. Indem man die Muskeln mental auf die bevorstehende Belastung vorbereitet, kann man die Effizienz des Trainings und die Präzision der Bewegungsabläufe verbessern und somit auch Sportunfällen bequem am Sofa vorbeugen.

Stell Dir vor, Du bist gesund

Ich kann mich daran erinnern, wie ich als Kind mit einer Erkältung im Bett liege, die stinkenden Essigpatscherl um die Knöchel gewickelt, den brühheißen Lindenblütentee im Magen, schwitzend mit dem Geschmack von Salbeizuckerl im Mund. Um mir die Zeit bis zum Einschlafen zu vertreiben hab ich mir vorgestellt, wie der Tee und der Salbei sich über meine geplagten Schleimhäute legen, wie sie die gemeinen Viren verbrennen und ich vollkommen gesund und schmerzfrei bin. Ob es nun die Essigwickel, der Tee, die Suppen, Tabletten, Nasentropfen oder meine intensive Vorstellungskraft waren, weiß ich nicht, aber am nächsten Tag war ich gesund.

Hier eine Visualisierung zum gesund bleiben in der kalten Jahreszeit

 

 

 

Sarah Ulrych

Sarah Bewusst naive Weltverbesserin, die zu allem eine Meinung hat und sie oftmals auch unaufgefordert unter die Menschen bringt. Alles wird hinterfragt, nichts in Ruhe gelassen, sie selbst auch nicht, auch wenn sie es immer wieder meditierend versucht. Die Liebe zu allen Lebewesen – mit einigen ganz besonderen hat sie das Glück, ihr Leben zu teilen – sowie die angeborene Theatralik und Humor lassen sie die Unebenheiten des Lebens kraftvoll meistern.


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2 COMMENTS ON THIS POST To “Visualisierungen – die Simonton-Methode”

  1. Annette Osterstroh sagt:

    wunderschöne Visualisierung
    wo gibt’s noch mehr davon?
    lg Annette

  2. Sarah Ulrych Sarah Ulrych sagt:

    Liebe Annette, danke, schön, dass sie Dir gefallen hat. Wir sind gerade in der Planung der nächsten Ausgaben und wir werden schauen, ob sich im Herbst und Winter nicht noch ein paar Visualisierungen zum gesund und fröhlich sein ausgehen. Wir werden das dann auch über facebook und den Newsletter bekannt geben.
    Eine schöne und gesunde Zeit wünsche ich Dir, alles Liebe, Sarah

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