Letzte Ausgabe: Arbeiten
Ton in meinen Händen

Ton in meinen Händen

Raus aus dem Hamsterrad

Wir kennen das alle – tagein tagaus müssen wir unsere Pflichten erfüllen, funktionieren, oft verschiedene Dinge gleichzeitig tun, werden mit unzähligen Informationen überschüttet – manchmal laufen wir dem Leben hinterher und gönnen uns keine Pause.

In meiner Kindheit war es einfacher, mir Auszeiten zu nehmen: ich habe sehr gerne gezeichnet, gemalt und immer Freude am kreativen Gestalten gehabt. Als Erwachsene verschwand dieses aktive Tun mehr und mehr und fand erst wieder in den Basteleien mit meinen Kindern Ausdruck. Eine handwerklich sehr begabte Freundin motivierte mich eines Tages, bei einem Töpferkurs mitzumachen. Mehr aus dem Gefühl heraus „Na gut, dann geh ich eben töpfern, dann hab ich das auch einmal ausprobiert“ ging ich mit und wurde überrascht, vor allem von mir selber!

 

Die Wiederentdeckung der kreativen Handarbeit

Meinen Händen schien der kühle Ton sofort zu gefallen, ich knetete, rollte, freute mich wie ein kleines Kind über meine erste Tasse. Mein Kopf brauchte nicht lange, um sich auf das Arbeiten mit Ton einzulassen, ich bemerkte die Konzentration aber zugleich eine sehr angenehme Entspannung. Mein Ehrgeiz wuchs, denn ich entdeckte meine Fähigkeit, Ideen und Vorstellungen gut umzusetzen. Die Schüsseln wurden immer größer und auch kunstvoller verziert. Bei den anderen Kursteilnehmern holte ich mir Anregungen und Tipps, unser Lehrer Hansjörg war stets zur Stelle, wenn es zu schwierig wurde. Dieses sich ganz und gar auf eine handwerkliche Tätigkeit einlassen empfand ich als ungemein erfüllend. Nach dem ersten Töpferwochenende blickte ich stolz auf meine Werke, und das waren etliche, viel mehr als ich erwartet hatte.

Eine Woche später nach dem ersten Brand wurde fleißig glasiert und gemalt. Am liebsten hätte ich alles ausprobiert aber ich blieb schließlich bei meinen Lieblingsfarben. Einige Stücke ließ ich von unserem Meister tauchen, um besonders schöne Ergebnisse zu erhalten.

Freude am Gestalten und Entstehen lassen

In weiteren Kursen ging ich von den anfänglich vorsichtig geformten Schüsseln über zu Tonkugeln, Figuren, Räuchergefäßen und weiteren dekorativen Stücken – sogar ein Wasserkrug entstand , der aber aufgrund des Gewichts nur noch als Vase eingesetzt wird 😉

Hansjörg Kathrein und sein „Töpferstudio Kathrein“ ist ein wunderbarer Töpferexperte, der mir in seiner inspirierenden Werkstatt mit Rat und Tat zur Seite steht. Der nächste Kurs ist schon gebucht – Hauptstück soll diesmal eine Brotdose werden. 🙂

  

Wertschätzung der alten Handwerkskünste

Faszinierend finde ich auch so besondere Workshops wie jenen im Jahr 2014 zum Thema Keramikfunde am Goldbichl in Igls. Die Teilnehmer rekonstruierten unter der fachkundigen Leitung von Hansjörg eine Schale im Stile der „Fritzens-Sanzeno-Kultur“ mit historischen Materialien und Techniken, sogar der Ton wurde selber abgebaut. Beim Grubenbrand und am offenen Feuer wurde klar, dass unsere Vorfahren ein immenses Wissen und Können in der Keramikherstellung hatten.

Natürliche Materialien haben wieder Renaissance, vor allem in der Küche. Freunde haben vor kurzem unglaublich schöne und vor allem große (1m und größere!) Tongefäße aus einer alten Fabrik in Deutschland gerettet – wahrlich ein Schatz – denn diese Tonwaren werden seit über siebzig Jahren nicht mehr hergestellt! Künftig werden darin flüssige Schätze gelagert …

Ab und zu schau ich im Innsbrucker Geschäft des Töpferstudios vorbei, hier finde ich immer nette Geschenke, vor allem aber auch Inspiration und zugegeben: ich genieße jedes Mal den besonderen Duft des Tones und der Töpferwaren und die entspannende Atmosphäre …

Fotos: © Martina Hofer, Hansjörg Kathrein

www.toepferstudio.at

www.goldbichl.at

 

Martina Hofer

Martina Leidenschaftliche, verwurzelte Tirolerin, die es liebt, nachts mit Freunden am Lagerfeuer zu singen und Geschichten zu erzählen. Berge bedeuten für sie Freiheit, ihre Mythen und Wirkung auf die Menschen wecken Martinas Forschergeist. Die gut geerdete und ehrliche Lebenseinstellung aber auch die Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren wurden ihr bereits in der Zillertaler Heimat in die Wiege gelegt, vieles davon gibt sie als Naturbotschafterin und Kräuterfachfrau entschlossen und authentisch weiter.


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