Letzte Ausgabe: Arbeiten
Stimme geben, Stimme halten

Stimme geben, Stimme halten

Mmm, mmm, moo, moo, moo … Ich summe in einer Tonhöhe in mich hinein, versuche den Ton räumlich “nach unten plumpsen” zu lassen, entlang des Brustbeins, zum Zwerchfell, zum Bauch. Zuerst will der Ton nicht so richtig die Reise antreten, klammert sich an den Hals, bleibt dünn. Nach und nach wird der Tonraum weiter, es vibriert ums Brustbein, das Zwerchfell wird aktiver und der Bauch fühlt sich an wie der Resonanzraum eines Saiteninstruments. Manchmal dauert es nur wenige Minuten bis das passiert, manchmal gelingt es erst später. Der Körper ist irgendwie aus der Balance, Hals und Schultermuskulatur sind verspannt, verkrampft. Den festen Stand (wieder) finden, im Stehen schwingen und „pendeln“, durchlässig werden in den Knien, den Schwerpunkt in die Körpermitte verlagern.

Noch vor ein paar Jahren war meine Stimme eine Selbstverständlichkeit, die einfach so funktionierte. Doch seit ich beruflich mehr und mehr auf sie angewiesen bin, umso mehr Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Pflege braucht sie. Und Training, das ich wieder und wieder vernachlässige, weil’s einige Zeit ohne Probleme läuft, bis ich in alte Muster  zurück falle und erst wieder daran erinnert werde, wenn es kiekst und rau ist an den Stimmbändern. Fast alle, die viel Sprechen bzw. Singen sind früher oder später mit den Möglichkeiten und Grenzen der Leistungsfähigkeit ihrer Stimme konfrontiert. Und so kommt man auch nicht umhin, sich mit dem „Klang- und Resonanzraum“ für sie zu befassen, mit dem ganzen Körper und seinem Befinden.

„Eine angenehme Stimme ist sehr oft mit sonst übrigens guten Eigenschaften des Leibes und der Seele verbunden.“

Georg Christoph Lichtenberg

(1742 – 1799), deutscher Physiker und Meister des Aphorismus

In Stimmworkshops, im Schauspiel und mit Logopädie habe ich gelernt, dass das Lösen von Spannungen, Atemübungen sowie Bewegungen zur Erweiterung des Körpers und zum Erreichen von „Durchlässigkeit“ am Anfang jedes Stimmtrainings stehen. Erst viel später geht es um die Artikulation, wobei Achtsamkeit und Klarheit in der Aussprache viel zur Entlastung der Stimme beitragen. Dazwischen steht noch die Stimmgebung, die richtige Dosierung, der kontrollierte Einsatz, das Finden der eigenen, natürlichen Stimmhöhe.

Und dann kommt auch noch die Seele dazu. Dass meine Stimme empfindlich auf Stress, Müdigkeit, Kummer oder Ärger reagiert war mir neu. „Es verschlägt einem die Sprache“, ist nicht nur eine Redensart, sondern die natürliche Reaktion auf intensive Gefühlszustände.
Damit ist meine Stimme auch mein persönliches Pendel, das mir zeigt, etwas ist nicht ganz im Lot.

Hier einige Empfehlungen aus meiner eigenen Erfahrung für jene, die unter Stimmversagen leiden oder ihre Stimme pflegen und trainieren wollen:

 

Übrigens, manchmal verwenden wir unsere Stimme anders in unterschiedlichen Sprachen. Während der Logopädie-Einheiten stellte ich fest, dass ich beim Englisch sprechen weniger Stimmschwierigkeiten hatte als im Deutschen. Und während eines Workshops mit einem russischen Schauspieler und Stimmtrainer schmiegte sich meine Stimme oft leichter um die russischen Wörter als um die deutschen.

 

Irmi Mac Guire

Irmi Mac Guire Gräbt neugierig in Kulturgeschichte, Sprache & Literatur, Film, Theater & Musik nach Erkenntnissen über menschliches Dasein. Als gebürtige Salzburgerin mit allerhand anderen Wurzeln lebt sie in Wien und ist mit einem Iren verbandelt. „Think outside the box!“ ist ihr Lebensmotto - außer vielleicht beim Kochen. Da verwöhnt sie schon mal ihre Freunde tieftraditionell mit flaumig-süßen Salzburger Nockerl, streng nach Oma’s Rezept…


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