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HYDROLATE – Sanfte Pflanzenwässer mit großer Wirkung

HYDROLATE – Sanfte Pflanzenwässer mit großer Wirkung

Die Wiederentdeckung der Pflanzenwässer

Seit Urzeiten sind Düfte für uns Menschen wichtig, um wohltuende Nahrung und passende Medizin zu finden, erkennen und zu nutzen. Die aromatischen Duftstoffe sind in Obst, Gemüse, Blüten, Kräutern, Wurzeln, Gewürzen usw. enthalten. Mit dem Duft – der Essenz – der Pflanzen können wir wieder eine intensive und heilsame Verbindung zur Natur herstellen. Das Wesen einer Pflanze offenbart sich und wir können die speziellen Qualitäten intuitiv wahrnehmen.

In der Aromatherapie werden in erster Linie Ätherische Öle als hochwirksame Heilmittel eingesetzt. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit immer mehr auf die sehr gut verträglichen Pflanzenwässer, die lange Zeit als Nebenprodukt bei der Destillation kaum beachtet wurden. Heute weiß man, dass auch Hydrolate (im Englischen Hydrosol genannt) große Wirkungen erzielen können, dabei aber sehr sanft und vor allem vom Wasser bestimmt sind. Bereits in Schriften ab dem Mittelalter, z.B. von Hieronymus Bock, wurde immer wieder auf die heilsame Kraft von Pflanzenwässern hingewiesen. In der Naturheilkunde spielen ja nicht nur die Pflanzeninhaltsstoffe eine große Rolle, das Wasser an sich ist bereits ein sehr sensibler Wirkstoff.

 

Leonardo Destille mit Duftgeranie

 

Vielseitige Anwendung von Hydrolaten

Hydrolate sind Teil der Aroma- und der Phytotherapie und viel mehr als ein starker Tee. Durch den Vorgang der Destillation enthalten Pflanzenwässer sowohl öllösliche als auch wasserlösliche flüchtige Inhaltsstoffe der Pflanzen, weit mehr Wirkstoffe und haben zudem eine wesentlich bessere Haltbarkeit. Sie sind sanfter und verträglicher als Ätherische Öle, sofort anwendbar, vor allem nicht so hautreizend und können vielseitig eingesetzt werden:

  • Duftwasser: Hydrolate eignen sich wunderbar als Duft-, Körper oder Raumspray, z.B. mit Rose, Zirbelkiefer oder Orange
  • In der Küche: zum Aromatisieren von Getränken, (Süß-)Speisen mit Rose, Zitrone, Lavendel u.v.m. aber auch zur Verbesserung der Haltbarkeit, z.B. aufgeschnittenes Obst besprühen, für mediterrane Speisen eignen sich Basilikum- oder Rosmarinwasser sehr gut …
  • Wellness/Fitness: Saunaaufguss, Fußspray, „Body Splash“ zur Erfrischung …
  • Kosmetik: Gesichtswasser (z.B. Lavendel, Rosengeranie), Wasserphase in Cremes, Haarspülung, Seifenherstellung, Grundlage für Aftershave (z.B. Lorbeer, Bergamotte, Salbei …) oder als Lotion
  • Rezepttipp Hydrolipid-Spray: am besten eine 50-ml-Sprühflasche zur Hälfte mit einem hautpflegenden Hydrolat wie z.B. Rose, Lavendel, Lindenblüte oder Holunder befüllen und je nach Hauttyp mit einem passenden Öl (zB. Mandel-, Traubenkern- oder Haselnussöl) ergänzen. Achtung – vor der Anwendung fest schütteln, da es sich um eine spontane Emulsion handelt. Diese leicht herzustellende Lotion kann als leichte feuchtigkeitsspendende Hautpflege oder als Make-Up-Entferner sehr gut verwendet werden
  • Gesundheit: Wundspray – sehr gut bei Sonnenbrand mit Lavendel, Wickel- und Kompressen, bei Hautproblemen bzw. bei Herpes ist Melissenwasser sehr wirksam, Mund-/Halsspray (z.B. Salbei), Inhalation (Kiefer), Nasendusche (Eukalyptuswasser), Magenverstimmung (Basilikum), bei Hitzewallungen Rosen- oder Salbeiwasser
  • Psyche: Rosmarinwasser zur Konzentration, Melissenwasser zur Beruhigung, z.B. als „Einschlafspray“, Lavendelwasser für die Balance (bei Stress)
  • Haushalt: Desinfektion (Thymian), Wäsche-/Bügelspray, Möbelspray (auch für Autopolsterungen)
  • Tierpflege: z.B. Wundbehandlung mit Salbeiwasser

 

Nicht zu jedem destillierten Ätherischen Öl gibt es ein Hydrolat, und nicht zu jedem Hydrolat ein Ätherisches Öl. Nur als Pflanzenwasser verwendet werden Hamamelis, Kornblume, Gurke, Ringelblume, Echinacea, Birke, Brennnessel und viele mehr. Wer selber destilliert, findet in der Natur unzählige Möglichkeiten um zu experimentieren.

 

Hobby Destille

 

 

Wie komme ich zu einem qualitativ hochwertigen Hydrolat?

  • Selber machen:

Am besten wird selber destilliert. Derzeit dürfen in Österreich Kleindestillen bis 2 Liter ohne Meldepflicht verwendet werden, in Deutschland gibt es eine Beschränkung von 0,5 Liter! Die meisten Destillen sind aus Glas oder Kupfer, selten aus Edelstahl. Hydrolate aus Kupferdestillen haben generell eine längere Haltbarkeit. Pflanzenwässer sollten am besten unter Weinkeller-Bedingungen gelagert werden, Temperaturschwankungen vertragen sie nicht gut (Gefahr der Schimmelbildung!)

Destillierkurse werden u.a. von Dr. Schmickl in Kärnten www.aetherischesoel.at, in der Outdoorschule für Heilpflanzenkunde in Innsbruck www.heilpflanzen-schule.at oder bei verschiedenen Referenten im Verein FNL – Freunde naturgemäßer Lebensweise, www.fnl.at angeboten. An sehr interessanten Seminaren im Bereich Aromatherapie kann man bei Evelyn Deutsch in Wien teilnehmen: www.aromapflege.com/Schule.

 

Meisterwurz-vor-Destillation

 

  • Handelsprodukte:

Im Handel angebotene Hydrolate sind oft nur ein Nebenprodukt der Herstellung von Ätherischen Ölen, die den Pflanzenwässern entzogen werden. Dieser fehlende Anteil bedeutet eine geringere Haltbarkeit und leider auch Wirksamkeit. Meistens wird Alkohol zugesetzt, um die Pflanzenwässer haltbarer zu machen. Besonders bei Rosenwasser gilt es achtsam zu sein: oft handelt es sich um destilliertes Wasser, dem – leider meist synthetisches – Rosenöl zugesetzt wird (siehe Vermerk: Oleum Rosae artific!).

Empfehlenswerte Bezugsquellen sind:

Wer sich für Aromathemen interessiert, dem sei die „grande dame“ der Aromatherapie Eliane Zimmermann mit ihren Büchern und ihrem Blog auf www.aromapraxis.de ans Herz gelegt, hier erhält man über die Stichwortsuche wertvolle Informationen!

Eine weitere Größe auf diesem Gebiet ist Susanne Fischer-Rizzi, die u.a. die Bücher „Himmlische Düfte“ und „Das große Buch der Pflanzenwässer“ geschrieben hat.

Nicht vergessen möchte ich das Buch „Hydrolate“ von Ingrid Kleindienst-John, ein sehr übersichtliches Werk, das auch für Einsteiger sehr gut geeignet ist.

Ich persönlich schätze die wertvollen, heilkräftigen und duftenden Pflanzenwässer seit vielen Jahren. In der unendlichen Fülle der Natur gibt es noch viele Schätze zu entdecken! Jetzt am Beginn der Gartenzeit wäre auch überlegenswert, nicht nur an Zierpflanzen zu denken, sondern auch an solche, die sich in ein wundervolles Pflanzenwasser verwandeln lassen …

In diesem Sinne wünsche ich einen wunderbar-duftenden Start in die warme Jahreszeit,

herzlichst Martina Hofer

Martina Hofer

Martina Leidenschaftliche, verwurzelte Tirolerin, die es liebt, nachts mit Freunden am Lagerfeuer zu singen und Geschichten zu erzählen. Berge bedeuten für sie Freiheit, ihre Mythen und Wirkung auf die Menschen wecken Martinas Forschergeist. Die gut geerdete und ehrliche Lebenseinstellung aber auch die Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren wurden ihr bereits in der Zillertaler Heimat in die Wiege gelegt, vieles davon gibt sie als Naturbotschafterin und Kräuterfachfrau entschlossen und authentisch weiter.


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