Letzte Ausgabe: Arbeiten
Heilquellen – Quellheiligtümer

Heilquellen – Quellheiligtümer

In den Jahren verschiedenster Heilpflanzen-Ausbildungen befasste ich mich intensiv mit Heilquellen und pilgerte immer wieder alleine oder im naturbegeisterten Freundeskreis zu alten Quellheiligtümern. Uns Quellforscher faszinierte die Vorstellung, dass schon vor tausenden Jahren Menschen an denselben Plätzen Wasser holten und dieses auch ehrten, wie manche Inschriften zeigen. Sauberes Wasser war auch bei uns nicht immer und überall verfügbar und musste oft mühsam in die Häuser geschleppt werden. In vielen jahrhundertealten Rezepten sind meist Heilmittelzubereitungen alkoholischer Art beschrieben, z.B. Heilweine und Tinkturen. Teezubereitungen sind vergleichsweise junge Formen der Heilanwendungen.

 

Wasser – Kindheitserinnerungen

Als Kind der Berge wuchs ich mit einer schier unendlichen Fülle und Verfügbarkeit von sauberem Wasser auf. Ich hatte selten eine Trinkflasche dabei, denn rundherum gab es Brunnen oder Bäche, im Winter auch die Variationen Eiszapfen und Schnee. Meine Oma besaß sogar eine eigene Quelle und ich erkundete immer wieder den Bach hinter dem Haus bis zum Waldrand, wo auch die Quellfassung lag. Für meine Freunde und mich war Wasser bester Qualität selbstverständlich aber wir erkannten früh, dass dies für viele Touristen aus anderen Ländern nicht so war. Wir waren talentierte „Wegelagerer“ und schenkten freundlich und sprachlich sehr bemüht den durstigen Wanderern Brunnenwasser in „ausgeliehenen“ Pappbechern aus und verdienten so das Geld für Eis und Süßigkeiten. Einen Sommer lang sparten wir sogar auf ein Pferd – dafür reichte es dann doch nicht …

Sehnsucht nach dem Wasser der Heimat

Wahrscheinlich erging es nicht nur mir so, als ich als junge Erwachsene die Freude am Reisen entdeckte: spätestens nach zwei Wochen auf Tour war diese Freude gepaart mit der Sehnsucht nach Wasser von zu Hause. Unterwegs habe ich im Laufe der Zeit gelernt, Einheimische nach Quellen und Brunnen zu fragen. Ich halte auch selber Ausschau nach besonderen Kirchen und Pilgerstätten, wo sehr oft ausgezeichnetes Wasser zur Verfügung steht. Solche Entdeckungen empfinde ich immer wieder als Rettung. Zugegeben schmeckt mir das Wasser aus meiner Heimat aber immer noch am besten.

 

Köstliches-Quellwasser_opt

 

Wertschätzung der Quellen

Ein schönes Beispiel für ein Quellheiligtum ist jenes in der Nähe vom Schneidjoch in Steinberg am Rofan nördlich des Achensees. An einem herrlichen Sommerwochenende machte ich mich mit weiteren Quellforscherinnen auf den Weg. Wir waren sehr beeindruckt von der Kultstätte, die erst in den 1950ern wiederendeckt wurde. Hier finden sich ca. 2000 – 2500 Jahre alte Inschriften aus denen hervorgeht, dass dort rituelle Handlungen vorgenommen wurden. Auch wenn sich der Hauptteil dieser Quelle als europäisches Kulturgut „hinter Gittern“ befindet, war es möglich, das kostbare Wasser in Flaschen abzufüllen und wir ehrten diesen besonderen Platz mit Räuchern, Singen und Blumenschmuck.

 

Quelle-Schneidjoch_opt

Um einige Quellen, die früher sehr verehrt wurden, ist es still geworden. In Heilpflanzen-Kursen haben wir solche wiederentdeckt, mit Blumen verschönert, mit kleinen Gaben und vor allem unserem Dank geehrt und die Plätze wieder einladender gemacht. Die Wertschätzung von Orten, denen kostbares und auch heilsames Wasser entspringt stärkt ihre Kraft – so habe ich das schon mehrfach empfunden. Manchmal nimmt sich sogar die Gemeinde eines alten Quellheiligtumes an, wie z.B. der Velperquelle in der Nähe von Steinach am Brenner, einer der stärksten Radonquellen Nordtirols. Diese wurde neu überdacht, ist über einen neuen Weg gut zugänglich und wird auf einer Infotafel ausführlich erklärt.

 

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Wenn sich zum Beispiel eine Kirche neben der Quelle befindet, wie z.B. hier in Tirol beim bekannten Kloster und Wallfahrtsort „Maria Waldrast“ bei Matrei am Brenner, dann zünde ich gerne Kerzen an, um so mein Dankeschön auszudrücken. Die Wasserqualität an diesem besonderen Ort am Fuße der Serles soll anscheinend ähnlich sein wie jenes in Lourdes. Ich persönlich kann bestätigen, dass sich dieses Wasser auch nach einem Jahr Lagerung noch wunderbar trinken lässt. Wenn ich Pflanzen auf verschiedenste Weise verarbeite verwende ich statt destilliertem Wasser immer lebendiges Quellwasser, vor allem jenes von Maria Waldrast. Viele Menschen kommen von weit her um an diesem starken Ort mit seinem heilsamen Wasser aufzutanken. Kürzlich traf ich dort einen Mann, der extra aus Dresden kam um dieses besondere Wasser zu holen, das ihm viel Linderung bei seinem Leiden verschafft …

 

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Quelle als Ursprung

Bei vielen Begegnungen in der Natur habe ich sehr inspirierende Menschen getroffen. Ein Gespräch hat mir die schöne Vorstellung mitgegeben, an den Ursprung eines Flusses zu wandern, am besten ein Fluss, mit dem ich mich verbunden fühle. Für mich sind solche Wanderungen wunderbare Erfahrungen, vor allem mit mir selber. Ein Fluss hat viel zu erzählen, wenn man genau hinhört. Für manchen Quell-Pilgerer kann diese Erfahrung auch den Weg zur eigenen Quelle öffnen …

Auf einer Tafel in der Nähe von Maria Waldrast ist ein schöner Spruch vom ehemaligen und sehr beliebten Bischof Reinhold Stecher verewigt, der jedes Jahr, auch noch im fortgeschrittenen Alter, von Innsbruck den Pilgerweg „Quo Vadis“ hier herauf pilgerte:

„So möchte ich auch Euch einladen, zur Quelle zurückzuwandern, sich vor sie hinzusetzen, still zu werden, zu staunen, zu horchen, zu schauen und zu trinken und dann mit neuer Glaubensfreude weiterzugehen.“

 

Wasser – reicher Sommer

Meine Leseempfehlung für diesen Sommer ist unbedingt das besondere Märchen „Die Regentrude“ von Theodor Storm, das möglicherweise zu veränderten Wasser- und Wetter-Sichtweisen führen kann …

Einen Sommer ganz „im Fluss“ und verbunden mit eurer persönlichen Quelle wünscht

Martina Hofer

 

Quellen und weitere Informationen:

Buch „Heilige Quellen“ Salzburg Vorarlberg Tirol & Südtirol von Siegrid Hirsch und Wolf Ruzicka, erschienen im freya Verlag

http://www.mariawaldrast.at/index.php/home

 

Martina Hofer

Martina Leidenschaftliche, verwurzelte Tirolerin, die es liebt, nachts mit Freunden am Lagerfeuer zu singen und Geschichten zu erzählen. Berge bedeuten für sie Freiheit, ihre Mythen und Wirkung auf die Menschen wecken Martinas Forschergeist. Die gut geerdete und ehrliche Lebenseinstellung aber auch die Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren wurden ihr bereits in der Zillertaler Heimat in die Wiege gelegt, vieles davon gibt sie als Naturbotschafterin und Kräuterfachfrau entschlossen und authentisch weiter.


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