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Ein besonderer Geburtstag

Ein besonderer Geburtstag

Ich erzähle euch von meinem letzten runden Geburtstag, den ich auf besondere Weise und ganz in der „balsamischen Zeit“ verbracht habe. Ich habe das Glück, ein Augustkind zu sein. Ein wunderbarer Sommermonat, für mich vor allem am Berg. Mein Geburtstagsgeschenk an mich waren sechs Tage Auszeit auf einer Selbstversorgerhütte in den Tuxer Alpen, hoch über dem Inntal. Meine Familie und Freunde bekamen die Einladung, mich während dieser Zeit zu besuchen, mit mir zu feiern und Zeit zu verbringen.

Ich liebe es, Pläne zu schmieden, aber für diesen Geburtstag beschloss ich, alles auf mich zukommen zu lassen. Ich vertraute darauf, dass sich die Gäste zur richtigen Zeit bei mir einfinden würden …

Es war ein herrliches Gefühl, als ich den besonderen Aussichtsplatz auf ca. 2000 m Höhe mit der gemütlichen Hütte erreichte. Beim Aufschließen der alten Holztür empfand ich es als großes Privileg, die nächsten Tage und Nächte hier oben bleiben zu dürfen.

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Den natürlichen Abläufen folgen, ohne Zeitdruck und Terminkalender

Seit einigen Jahren benutze ich keine Armbanduhr mehr. Auf der Hütte funktioniert das Telefon nur in Ausnahmefällen, also schalte ich es nur sporadisch ein. Der Tagesablauf richtet sich nach der Natur, dem Wetter und dem, was für das Leben in einer Berghütte zu tun ist. Am wichtigsten: Wasser von der ca. zehn Minuten entfernten Quelle und Holz zum Heizen und Kochen holen. Es gibt keinen Zeitdruck, keine Termine wie unten im Tal, die Aufgaben sind klar, alles hat Sinn.

Ich fühle mich glücklich und zufrieden in dieser Umgebung, wo mich vieles stärkt: Wasser aus der Quelle, wärmendes Feuer, die herrliche Luft und der Berg selber, all die kraftvollen Kräuter und Bäume, die Tiere und besonderen Plätze. Ich fühle mich verwurzelt und gleichzeitig mit dem Kosmos intensiv verbunden, wenn ich den nächtlichen Sternenhimmel betrachte. Ich bin in der „balsamischen Zeit“ angekommen: ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Vertrauen und Geschenke

Für meinen Start ins neue Lebensjahrzehnt war ich ganz im Vertrauen, dass ich herrliche Tage in meiner Bergresidenz mit den passenden Leuten zur richtigen Zeit erleben würde. Und genau so war es. Manchmal musste ich staunen, denn die Besucher wechselten sich perfekt ab, ohne dies verabredet zu haben. Kaum waren Kuchen oder Essensvorräte zu Ende, kam ganz wundersam Nachschub. Es war ein harmonisches Kommen und Gehen, wie Ebbe und Flut, es gab intensive Zeiten des Feierns, gemütliche Phasen und intensive Gespräche in kleiner Runde. Manche Gäste blieben einige Stunden, einige begleiteten mich auch mehrere Tage. Das Wetter wechselte sich auch ab, als wollte sich mir der Berg in all seinen Facetten zeigen.

Ich fühlte mich rundherum behütet, getragen und bestens versorgt. Die Natur bot mir allerlei Geschenke dar: Pflanzen, mit denen ich ein köstliches Bergkräutersalz herstellen und Zirbenharz, das ich in einen duftenden, pflegenden Balsam verarbeiten durfte. Murmeltiere und Gämsen begegneten mir auf einer Bergtour und viele besondere Plätze, die mich zur Aussicht und zum Verweilen einluden …

 

Lärchenwald

Wichtige Auszeit in der Natur

So eine Auszeit in der Natur, wo auch immer auf dieser wunderschönen Erde, auch wenn sie nur einen Tag oder einige Stunden dauert, möchte ich allen Lesern ans Herz legen. Je öfter und intensiver wir es schaffen, unsere Sinne für das Natürliche zu öffnen, umso besser wird es uns gelingen, auch uns selber zu begreifen – wir sind ein Teil der Natur und funktionieren nach denselben Prinzipien.

Orientieren wir uns nach den natürlichen Abläufen im Jahreskreis, tut uns das rundherum gut und unterstützen wir unsere Gesundheit auf allen Ebenen. In unserem Leben durchwandern wir viele Jahreskreise, oft von anderen begleitet, manchmal auch allein. Es lohnt sich, immer wieder zu rasten und sich zu stärken. Jede Jahreszeit bietet eine Fülle an Möglichkeiten, dies zu praktizieren.

Feste im Jahreskreis

Ich persönlich feiere mit Freunden sehr gerne die Jahreskreisfeste, z.B. die Sonnenwenden oder wie kürzlich am 31. Oktober das Eintauchen in die dunkelste Jahreszeit, das die Kelten ursprünglich als „Samhain“ und als Jahresbeginn erlebten. Dessen Zeitqualität „Ende und Neubeginn“ findet sich auch im christlichen Allerheiligen und Allerseelen wieder. Es hat seinen Sinn, sich auf die Dunkelheit einzulassen, sich zurückzuziehen und Innenschau zu halten. Die Natur zieht ihre Kräfte zurück in die Wurzeln, um dann im Frühjahr wieder kraftvoll dem Licht entgegenzuwachsen. Wir können uns ein Beispiel daran nehmen.

Wer sich mehr für unser altes Erbe, Bräuche, Mythen und Pflanzen im Jahreskreis, Sagen, Märchen und deren Bedeutung interessiert, dem empfehle ich die Bücher des Ethnobotanikers und Kulturanthropologen Wolf-Dieter Storl. Eines meiner Lieblingsbücher ist „Pflanzen der Kelten“. Wer lieber dem wunderbaren Erzähler Storl zuhört, dem lege ich die CDs „Frau Holle“ bzw. „Schneeweißchen und Rosenrot und andere Pflanzenmärchen“ ans Herz. > www.storl.de

 

Martina Hofer

Martina Leidenschaftliche, verwurzelte Tirolerin, die es liebt, nachts mit Freunden am Lagerfeuer zu singen und Geschichten zu erzählen. Berge bedeuten für sie Freiheit, ihre Mythen und Wirkung auf die Menschen wecken Martinas Forschergeist. Die gut geerdete und ehrliche Lebenseinstellung aber auch die Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren wurden ihr bereits in der Zillertaler Heimat in die Wiege gelegt, vieles davon gibt sie als Naturbotschafterin und Kräuterfachfrau entschlossen und authentisch weiter.


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ONE COMMENT ON THIS POST To “Ein besonderer Geburtstag”

  1. Claudia Acherer sagt:

    Liebe Martina,
    Als ich diesen Artikel gelesen habe, kamen die Erinnerungen wieder an einen wunderbaren Tag. Ich durfte an einem Tag in dieser Woche Dein Gast sein, So viele Tage reihen sich aneinander und man vergisst die Einzelheiten. Dieser Tag hat sich jedoch eingeprägt mit seiner bewussten Langsamkeit, mit unendlich viel Zeit haben, tiefsinnige Gespräche zu führen, alte Freunde treffen und neue dazu zu gewinnen.
    Danke. Ich freue mich auf Deinen nächsten Artikel.
    Claudia

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