Letzte Ausgabe: Arbeiten
Baumharz – die Wiederentdeckung besonderer Räucherharze

Baumharz – die Wiederentdeckung besonderer Räucherharze

Ein Interview mit Mag. Stephanie Cammerlander, Räucherexpertin aus Tirol

 

Martina: Was war für Sie ausschlaggebend, mit Räucherharz/Räucherwerk Handel zu betreiben und „Baumharz“ zu gründen?

Stephanie: Ich bin über das Reisen, den Kontakt zu Menschen indigener Herkunft, deren traditionelle Lebensweise und Schamanismus zum Räuchern gekommen. Bereits vor Jahren gab es schon viele Möglichkeiten, Räucherwerk und Harze, wie z.B. Weihrauch zu kaufen, allerdings mit wenig Hintergrundinformation, kaum Qualitäts- oder Herkunftsbezeichnungen. Ich hatte bereits Erfahrung mit einem Marktstand und beschloss 2007, mich auf den Verkauf von hochwertigen Harzen bester Qualität zu spezialisieren. Auf der Suche nach den Quellen recherchierte ich sehr viel und reiste nach Mexiko und in den Oman. Es war nicht einfach an die Orte der Harzgewinnung zu kommen, vor allem die indigene Bevölkerung ist mit der Weitergabe von Informationen an Menschen aus der westlichen Welt sehr zurückhaltend. Aber ich hatte Glück, ließ mich auf meinen Reisen immer leiten und folgte den Hinweisen. So lernte ich in Chiapas einen „Indigena“ kennen, der mir wertvolle Dienste leistete und heute noch mein wichtigster Koordinator vor Ort ist. Er brachte mich zu Menschen, die noch das alte Wissen von traditionellen Räucherharzen haben. Die Harze werden in Chiapas von der indigenen Bevölkerung geerntet. Sie leben in abgelegenen Regionen in kleinen dörflichen Strukturen unter sehr schweren Lebensbedingungen. Die Copalernte bietet ihnen eine alternative Einnehmequelle zum eher kargen Maisanbau.

Martina: Die Nachfrage steigt, das Thema Räuchern wird bei uns auch abseits der Kirche immer mehr praktiziert. Worauf führen Sie das zurück?

Stephanie: Als ich mit dem Handel von Harzen begann, war das Räuchern für viele Menschen eher noch fremd. Gerade Weihrauch war lange Zeit sehr kirchenbehaftet bzw. glaubensbezogen. Die Kirche verwendet mittelmäßige Qualität, deshalb verbinden einige Menschen den Weihrauch mit einem unangenehmen Geruch. Am Weihnachtsmarkt habe ich die Möglichkeit, die alten Vorurteile aufzulösen: Sobald sich interessierte Besucher trauen, den Duft der hochwertigen Harze bester Qualität zu riechen, sind die Bedenken schnell verflogen. Die von mir angebotenen Räucherstoffe gibt es ohne Glaubenssätze und nicht religionsgebunden.

Die Beschäftigung mit Düften, Gerüchen und damit verbunden das Räuchern ist lange Zeit in Vergessenheit geraten, ist inzwischen jedoch zum Trend geworden. Das Bewusstsein wächst, dass es sich beim Räuchern um eine wirkungsvolle Weise handelt, heilsame Stoffe aufzunehmen. Gleichzeitig legen immer mehr Menschen Wert auf gute Qualität. Mit dem Räuchern kann man eine harmonische Atmosphäre erzeugen, Besinnung und Ruhe finden, dem Alltagsstress entfliehen …

Bildschirmfoto 2015-12-19 um 18.18.33

 

Martina: Was fasziniert Sie an orientalischen Harzen? Was halten Sie von heimischen Baumharzen und Kräutern als Räucherwerk?

Stephanie: Der beste Weihrauch der Welt kommt aus dem Oman. Ich wollte mich selbst davon überzeugen und bin in den Oman gereist. Das Harz wird sehr vielseitig eingesetzt und ist bekannt für seine Heilwirkungen. Je nach Herkunft bzw. Standort gibt es unterschiedliche Qualitäten, die für verschiedene Zwecke verwendet werden. Der wertvollste Weihrauch stammt aus extrem trockenen und kargen Gebieten. Ich reiste viel um direkt an die Produzenten zu gelangen und dort einzukaufen.

Seit einem Jahr beschäftige ich mich mit Harzen und Räucherpflanzen aus der Heimat. Seit heuer gibt es bei Baumharz auch heimische Produkte, wie z.B. die „Tiroler Wald- und Wiesenmischung“. Ich folge meinen Impulsen , es gibt laufend Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet. Heimische Harze sind schwierig und aufwändig zu ernten, dazu braucht es passende Partner. Für Bio-Kräuter habe ich bereits sehr gute Quellen, ein Ausbau der Zusammenarbeit und neue Produkte sind in Planung.

Martina: Wie bereits angesprochen gibt es verschiedene Harzqualitäten und sogar synthetische Räucherstoffe. Worauf sollten die Kunden besonders achten?

Stephanie: Grundsätzlich haben Harze in großen Stücken bzw. Tropfen die beste Qualität. Bei Weihrauch sollte man auf die Größe und vor allem auf die Helligkeit achten. Bereits pulverisierte Harze, die vor allem in Mischungen vorkommen, haben meist eine schlechtere Qualität – man kann das auch nicht mehr nachkontrollieren. Weißen Copal gibt es zum Beispiel auch in größeren Stücken – dieser wird flüssig geerntet, auf Blättern getrocknet und ist erst nach ca. eineinhalb Jahren für Räucherungen verwendbar. Sehr wichtig für eine Qualitätskontrolle ist das Riechen! Es sollte die Möglichkeit bestehen, die Harze und Räucherstoffe auszuprobieren.

 

Stefanie Cammerlander

 

 

 

 

 

 

 

 

Martina: Ist der Handel mit den Harzen, vor allem aus dem arabischen Raum, aufgrund der gewaltsamen Ereignisse in letzter Zeit schwieriger geworden?

Stephanie: Das kann ich nicht bestätigen, aber von Jahr zu Jahr werden die Bestimmungen und Auflagen schwieriger und komplizierter. Bereits vor Jahren war es z.B. nicht ratsam, in den Jemen zu reisen, auch für meine Kontakte dort ist es nach wie vor riskant Myrrhe zu ernten. In Mexiko und Oman gibt es bisher keine Einschränkungen durch mögliche Gefahren. In Österreich muss man hinsichtlich der Kennzeichnung immer achtsamer werden, das wird genauestens überprüft.

Vielen Dank, Frau Mag. Cammerlander, für dieses interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg mit „Baumharz“, viel Inspiration für die Zukunft und frohes Räuchern in einer besinnlichen Weihnachtszeit.

Die wunderbaren Harze bester Qualität, erlesene Räuchermischungen und weitere Produkte finden Sie unter www.baumharz.at sowie derzeit beim „Baumharz-Räucherstandl“ am Christkindlmarkt in Innsbruck, Maria-Theresien-Straße.

Baumharz

Martina Hofer

Martina Leidenschaftliche, verwurzelte Tirolerin, die es liebt, nachts mit Freunden am Lagerfeuer zu singen und Geschichten zu erzählen. Berge bedeuten für sie Freiheit, ihre Mythen und Wirkung auf die Menschen wecken Martinas Forschergeist. Die gut geerdete und ehrliche Lebenseinstellung aber auch die Verbundenheit mit Pflanzen und Tieren wurden ihr bereits in der Zillertaler Heimat in die Wiege gelegt, vieles davon gibt sie als Naturbotschafterin und Kräuterfachfrau entschlossen und authentisch weiter.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Sopha verwendet Cookies. Durch die weitere Benützung unserer Seite stimmst du dem zu. Mehr Infos

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close